Mayer Hawthorne
Was für ein Mann. Ein weißer Herr mit großer Brille, der hinter einem Schreibtisch mit Antiquitäten sitzt. Der Herr ist nicht nur in visueller Hinsicht ausgesprochen Stilbewusst, sondern trägt auch musikalisch Stile vergangener Zeiten auf ähnliche Weise ins Heute.
Mayer Hawthorne ist ein Soulboy, soviel ist sicher. Und er bedient sich weidlich am enormen Fundus der Soulmusik der späten 1960er Jahre. Bei genauem Hinhören fällt es schon auf, dass die Musik keine wiederveröffentlichung verschollener Perlen aus dem Jahre 1967 sein kann, aber die Pastiche ist perfekt und vor allem eines: verdammt elegant. Mayer Hawthorne zitiert nicht einfach eine gewisse Ästhetik, sondern hat das Geheimnis des Groove verstanden. Wer auch immer so unvorsichtig war, es ihm leichtfertig anzuvertrauen – er feuert wild damit um sich und fesselt an den Tanzflur. Die mp3- und Video-Vorboten versprachen einiges, was dann erstaunlicher Weise auch noch gehalten wurde – das kommt selten vor.
Der Zauber des Vinyls
Was die visuelle Ästhetik betrifft, zieht Mayer Hawthorne, der offenbar zusätzlich zur musikalischen Ausbildung an der Abendschule seinen Abschluss im Fach 60er Jahre gemacht hat, alle Register; und auch hier ist er in progressiver Weise altmodisch: er nutzt die ästhetischen Möglichkeiten des Vinyls meisterlich. Klar, das Coverphoto ist auch auf einem Bildschirm hübsch, aber im 12“-Format mit Kroko-Prägung zum Anfassen ist das eben eine ganz andere Liga. Der limited edition der audiophil auf Doppel-LP veröffentlichten Scheibe lag zudem noch eine CD-große Vinylplatte mit 4 Bonustracks bei; ebenfalls streng limitiert: die herzförmige Single auf durchsichtigem roten Vinyl.
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